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Lampion 1998

Wewerka-Pavillon am Aasee in Münster
Ca. 175 qm transluzente, farbige Klebefolie | Licht

Zum Ende des Jahres verwandelt Uta Weber den Wewerka Pavillon in einen leuchtend roten „Lampion“. Umfunktioniert zu einer transluzierenden Laterne strahlt er weithin sichtbar in die winterliche Parklandschaft am Aasee. Die Künstlerin lässt das futuristisch anmutende Dach des von Stefan Wewerka gestalteten Pavillons in seinem Glanz und seiner Transparenz aufscheinen. Zudem ist das Licht stark genug, um den roten Farbkörper, in den die Glasvitrine verwandelt wurde, aufleuchten zu lassen.

Den Betrachter umfängt eine monochrome Farbfeldmalerei, die raumgreifend das Umfeld des Pavillons in Beschlag nimmt. Rhythmisiert und lediglich unterbrochen von orange gefassten, nie exakt in der Mitte des Rahmens sitzenden blauen Kreisen. Auf dieser Weise erhalten sie eine Dynamik, die ihnen scheinbar Bewegung verleiht. Eine in Folien geschnittene, abstrakte Komposition.

Doch oft ist junge Kunst heute auch erzählerisch und selbst, wenn sie ungegenständlich bleibt, begreift sie diese Abstraktion in einem ikonografisch verweisenden Sinn. Uta Webers „Lampion“ erinnert an die Jugendzimmerästhetik der 60er und 70er Jahre. Mit der farbigen Ornamentik provoziert sie inhaltliche Assoziationen einer Blumenkind- und Hippie- Ästhetik, Erinnerungen an die Utopien des „peace and love“ und den Enthusiasmus, mit dem diese Zeit gelebt wurde.

Der „Lampion“ bezieht seine Kraft aus einer Mehrdeutigkeit, der Mixtur der Komponenten: der Bezug auf die Tradition der Farbfeldmalerei und der geometrischen Abstraktion, seine in die Dunkelheit ausstrahlende Adventsgemütlichkeit sowie eine auf die Werbeästhetik insbesondere der 70er Jahre Rückbezüglichkeit.

Ein grenzsprengender künstlerischer Beitrag zwischen exklusiver Exponiertheit und grenzenloser Alltäglichkeit.

Auszug aus der Eröffnungsrede und dem Katalogbeitrag von Dr. Martin Henatsch, 1998

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